www.abls.de

Sprachheilpädagogik

Definition der Sprachheilpädagogik

Sprachheilpädagogik gilt als pädagogische Wissenschaft und hat Verhaltensmuster sowie Beziehungsprozesse zum Inhalt, die durch Sprach- beziehungsweise Kommunikationsstörungen beeinträchtigt sind. Wichtig für alle sprachheilpädagogischen Maßnahmen sind die jeweiligen vorfindbaren Bedingungen bei den potentiellen Patienten sämtlicher Altersstufen. Wobei sich ein bedeutsamer Schwerpunkt im vorschulischen sowie im schulischen Alter findet. Sprachheilpädagogen (teilweise auch Diplom Sprachheiltherapeuten) erwerben während ihres mehrjährigen Studiums weitreichende Kenntnisse aus allen sprachpädagogischen Bereichen. Dementsprechend ist die Sprachheilpädagogik in unterschiedliche Teilbereiche gegliedert:

  • Unterricht
  • Erziehung
  • Diagnostik
  • Therapie
  • Beratung

Die verschiedenen Methoden und Werkzeuge dieser Teilbereiche ermöglichen es, vorhandene Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen zu vermindern oder zu überwinden. Dem rehabilitativen Aspekt kommt hierbei eine bedeutsame Rolle zu, denn die Patienten sollen letztlich fähig sein, unbeeinträchtigt sprachlich agieren zu können. Damit die sprachlich-kommunikative Beeinträchtigung sich nicht manifestiert, gilt es rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen (präventiver Aspekt). In Deutschland ist die Sprachheilpädagogik dem Bereich Sonderpädagogik zugeordnet. An den zur Verfügung stehenden Hochschulen ist zumeist ein sonderpädagogisches Grundstudium zu absolvieren. Indem entsprechende Schwerpunkte während des Studiums gewählt werden, lässt sich das Studium als Sprachheilpädagoge abschließen. Aber es werden zunehmend auch Aufbaustudiengänge angeboten, die einen berufsqualifizierenden Abschluss - zumeist Bachelor of Arts - bieten. Sprachheilpädagogen arbeiten in speziellen Sprachschulen, jedoch auch in medizinisch-sozialen Einrichtungen. Hier sind vorrangig Kindergärten für Sprachbehinderte und Beratungsstellen zu nennen. Gleichgültig, ob ein Sprachheilpädagoge an einer staatlichen oder freien Einrichtung tätig ist, es geht vorrangig darum, die Sprachfähigkeit durch individuell zugeschnittene Übungen zu verbessern. Je nach Art und Ausmaß der Sprach- oder Sprechstörung wird auch gern die Gruppentherapie genutzt. Wichtig ist der regelmäßige Kontakt zu den Angehörigen des Patienten, da Sprachheilpädagogen auf deren Kooperation angewiesen sind. Zudem gilt es, Familie, Betreuer und Erzieher zu beraten, wie die Therapie sinnvoll zuhause oder in anderen Umgebungen ergänzt werden kann.

Sprachheilpädagogik für Schulkinder

Unterscheiden lässt sich ein Sprachheilpädagoge hinsichtlich seines möglichen Aufgabenfeldes mittlerweile kaum noch von einem Logopäden oder Sprachtherapeuten. In erster Linie sind die Ausbildungswege das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Auch in der Sprachheilpädagogik geht es nicht nur um die nachweisbaren Sprach- und Sprechstörungen, sondern um das Individuum mit all seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Fällt Eltern, Erziehern oder Ärzten auf, dass ein Kind keinen altersgerechten Wortschatz aufweist beziehungsweise ein angemessenes Sprachverständnis fehlt, vermag die Sprachheilpädagogik dies zu korrigieren. Sprachheilpädagogik in der Schule soll dafür sorgen, dass ein altersgerechtes Sprachverständnis entwickelt werden kann und Sprachauffälligkeiten gemindert/beseitigt werden. Stufenweise werden Sprachregeln und der Wortschatz aufgebaut sowie die Mitteilungsfähigkeit gefördert. Und zu guter Letzt geht es darum, eigene Stärken zu erkennen und auf diese zu vertrauen. Um die gesetzten Ziele erlangen zu können, findet sprachheilpädagogische Förderung bevorzugt in kleinen Klassen statt. Grundsatz ist „Lernen mit allen Sinnen“: Auf Hör- und Sehschulung sowie auf Wahrnehmungsförderung wird besonderer Wert gelegt. Das Erreichen von Haupt- oder Realschulabschluss ist trotz Sprachauffälligkeiten durchaus möglich, wenn die dargebotenen Hilfen und Förderungen in Anspruch genommen werden.